Brandenburg


Brandenburg liegt in der OeBiX-Studie im unteren Mittelfeld auf Platz zehn

Ökonomische Bildung ist nur in der Oberstufe gut verankert – ansonsten herrscht viel Optimierungspotenzial.

 

 

In Brandenburg sind wirtschaftliche Inhalte in der Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe gut verankert. Hier können die Schülerinnen und Schüler ein eigenständiges Fach Wirtschaft wählen. Ansonsten bestehen hinsichtlich der Ökonomischen Bildung in Brandenburg vor allem Optimierungspotenziale. So gibt es in Brandenburg an keiner weiterführenden allgemeinbildenden Schulform ein eigenständiges Pflichtfach Wirtschaft. Auch die Wirtschaftslehrkräftebildung ist insbesondere in den gymnasialen Studiengängen zum Teil defizitär.

Im OeBiX-Gesamtindex liegt Brandenburg im unteren Mittelfeld auf Platz zehn.

 

Brandenburg erreicht nur einen Wert von 39,11 Prozent im OeBiX

Brandenburg erzielt in der OeBiX-Studie einen Indexwert von 39,11 Prozent und belegt damit im Vergleich der Bundesländer eine Platzierung im Mittelfeld.

Brandenburg auch in den Teilindizes unter dem Bundesdurchschnitt

Brandenburg schneidet nicht nur im Gesamtindex mit 39,11 Prozent knapp sechs Prozentpunkte unter dem Bundesdurchschnitt (45,40 Prozent) ab, sondern auch in den Teilindizes Schule und Lehrkräftebildung. Im Teilindex Schule liegt Brandenburg mit 43,22 Prozent mehr als fünf Prozentpunkte unter dem Bundesdurchschnitt (48,50 Prozent). Im Teilindex Lehrkräftebildung (30,89 Prozent) beträgt die Differenz zum Bundesdurchschnitt (39,20 Prozent) sogar mehr als acht Prozentpunkte.

Brandenburg mit Defiziten in vielen Erhebungskategorien

Brandenburg liegt in nahezu allen Erhebungskategorien der OeBiX-Studie zum Teil deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Besonders große Defizite deckte die OeBiX-Studie in der gymnasialen Lehrkräftebildung auf: Hier fehlen ökonomische Inhalte im Studium für das wirtschaftsaffine Ankerfach am Gymnasium sowie wirtschaftsdidaktische Professuren mit Zuständigkeit für diese Studiengänge völlig. Über dem Bundesdurchschnitt liegt das Bundesland hingegen in den Erhebungskategorien „Qualifikationsphase“ und „Professuren nicht-gymnasial“ sowie „Studiengänge nicht-gymnasial“, den beiden Erhebungskategorien der Wirtschaftslehrkräftebildung in den nicht-gymnasialen Schulformen der Sekundarstufe I. 

Teilindex Schule

Schulfächer für die Ökonomische Bildung

Für die OeBiX-Studie wurde pro Bundesland und Schulform sowie Schulstufe jeweils ein Ankerfach für die Ökonomische Bildung im Pflichtbereich identifiziert. Da im Wahlpflichtbereich in einigen Fällen pro Schulform mehrere klar auf Wirtschaft fokussierte Wahlpflichtfächer angeboten werden können, wurden, anders als bei den Pflichtfächern, zum Teil auch mehrere Wahlpflichtfächer pro Schulform und -stufe in einem Bundesland bei den Berechnungen berücksichtigt. Diese Pflicht- und Wahlpflichtfächer stellen eine Berechnungsgrundlage für den OeBiX dar. Auf der Basis der jeweiligen behördlichen Dokumente (Lehrpläne, Verordnungen, Stundentafeln etc.) für die Sekundarstufen I und II wurden die für die jeweiligen Ankerfächer veranschlagten Kontingentstunden ermittelt. In einigen Stundentafeln sind die Kontingentstunden für mehrere Fächer in Summe angegeben, ohne dass der Anteil der einzelnen Fächer benannt ist. In diesen Fällen wurden die Kontingentstunden über den Durchschnitt ermittelt. Dabei wurde auch berücksichtigt, dass die Fächer ggf. in unterschiedlich vielen Jahrgängen unterrichtet werden. Sind Mindeststunden für ein Fach angegeben, wurden diese zugrunde gelegt.  Ökonomische Bildung ist in der Regel in einem Integrationsfach verankert. In diesen Fällen wurden die entsprechenden Curricula gesichtet, um den Anteil der ökonomischen Inhalte in dem Fach zu bestimmen. Entsprechend  dieses Anteils wurde die Anzahl der Kontingentstunden für die Ökonomische Bildung bestimmt.

Kontingentstunden Ökonomische Bildung in wirtschaftsaffinen Ankerfächern der Sekundarstufe I (nur Pflicht)

In den nicht-gymnasialen Schulformen der Sekundarstufe I erhalten die Schülerinnen und Schüler im Pflichtbereich 2,5 Kontingentstunden Ökonomische Bildung. Im Gymnasium sind es 1,5 Kontingentstunden für die Ökonomische Bildung im Pflichtbereich der Sekundarstufe I. In allen Schulformen ist Brandenburg somit weit von der Unterrichtszeit von sechs Kontingentstunden eines normalen Nebenfachs im Pflichtbereich der Sekundarstufe I entfernt.

Fächervergleich anhand von Kontingentstunden Sekundarstufe I (nur Pflicht)

Ökonomische Bildung schneidet in Brandenburg in der gymnasialen Mittelstufe im Vergleich zu etablierten Nebenfächern nicht gut ab. Hier gibt es im Pflichtbereich für die Ökonomische Bildung nur 1,5 Kontingentstunden. Sowohl andere gesellschaftswissenschaftliche als auch die naturwissenschaftlichen Fächer sind deutlich besser verankert. So verfügen die naturwissenschaftlichen Fächer jeweils über viermal so viele Kontingentstunden wie die Ökonomische Bildung. In der Sekundarstufe I der nicht-gymnasialen Schulformen liegt Ökonomische Bildung im Vergleich zu anderen etablierten Nebenfächern zwar ebenfalls zurück, jedoch mit geringerem Abstand zu den Stundenkontingenten, mit denen die verschiedenen anderen Bildungsanliegen ausgestattet sind. Während Ökonomische Bildung hier im Durchschnitt auf 2,5 Kontingentstunden kommt, sind es für Geschichte und Erdkunde jeweils 3,33 Kontingentstunden und für die naturwissenschaftlichen Fächer je vier Kontingentstunden.

Teilindex Lehrkräftebildung

Keine Wirtschaftslehrkräftebildung für das Gymnasium

Für das Lehramt an Gymnasien werden in Brandenburg keine Wirtschaftslehrkräfte ausgebildet. Mit der Universität Potsdam gibt es in Brandenburg einen Standort für die nicht-gymnasiale Wirtschaftslehrkräftebildung, der mit einer integrativen Professur ausgestattet ist.

"Brandenburg hat mit dem Aufwuchs im Lehramt schon viel angestoßen"

Prof. Dr. Vera Kirchner
Professorin für „Ökonomisch-technische Bildung und ihre Didaktik“ an der Universität Potsdam