Deutscher Wirtschaftsbildungspreis: Engagement für ökonomische Bildung sichtbar machen 

Mit dem Deutschen Wirtschaftsbildungspreis würdigt die Flossbach von Storch Stiftung Menschen und Institutionen, die Wirtschafts- und Finanzbildung in Deutschland mit besonderem Engagement voranbringen. Die Auszeichnung wurde 2026 anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Stiftung erstmals verliehen. Sie macht wirksame Maßnahmen sichtbar, stärkt öffentliche Anerkennung und schafft Freiräume für weiteres Engagement.

Wofür der Deutsche Wirtschaftsbildungspreis steht

Ökonomische Bildung vermittelt Orientierung in einer komplexen Welt. Sie hilft Menschen, wirtschaftliche Entwicklungen nachzuvollziehen, Interessen und Folgen abzuwägen und die eigenen Gestaltungsmöglichkeiten zu erkennen. Damit gehört sie zu einer zeitgemäßen Allgemeinbildung: Sie verbindet Wissen mit kritischer Urteilsfähigkeit und schafft eine Grundlage für verantwortliches Handeln und gesellschaftliche Teilhabe.

Der Deutsche Wirtschaftsbildungspreis setzt an diesem Bildungsverständnis an. Er würdigt Personen und Institutionen aus schulischer Praxis, Bildungsinitiativen, Politik, Verwaltung und Wissenschaft, die ökonomische und finanzielle Bildung innovativ, zielgruppengerecht und wirksam voranbringen. Im Mittelpunkt stehen Beiträge, die Bildungsangebote verbessern, tragfähige Strukturen schaffen oder das Thema dauerhaft verankern.

Künftig soll der Preis alle zwei Jahre vergeben werden. Jede der drei Auszeichnungen ist mit 20.000 Euro dotiert. Das Preisgeld fließt in Projekte der Wirtschafts- und Finanzbildung und schafft Freiräume, das ausgezeichnete Engagement fortzusetzen oder weiterzuentwickeln.

Die Kriterien der Auszeichnung 

Die Auswahl folgt fünf Kriterien, die den fachlichen Anspruch, die gesellschaftliche Relevanz und die Wirkung der ausgezeichneten Ansätze abbilden:

  • Kontroversität und Überparteilichkeit: Kontroverse Fragen werden im Sinne des Beutelsbacher Konsenses vielperspektivisch behandelt.
  • Fundierte Grundlagenbildung: Die Ansätze vermitteln ökonomische und finanzielle Grundlagen und stärken die Mündigkeit.
  • Kompetenz- und Werteorientierung: Sie fördern Fachwissen, Urteils- und Handlungsfähigkeit sowie Wertebildung.
  • Chancengerechtigkeit und Teilhabe: Sie eröffnen unterschiedlichen Zielgruppen den Zugang zu Wirtschafts- und Finanzbildung.
  • Wissenschaftsorientierung und Wirksamkeit: Sie sind fachlich fundiert, bedarfsgerecht und entfalten nachvollziehbare Wirkung.

Die Preisträgerinnen und Preisträger 2026 

Die drei Auszeichnungen des Jahres 2026 zeigen, wie vielfältig das Engagement für Wirtschafts- und Finanzbildung ist: Gewürdigt wurden die ressortübergreifende Zusammenarbeit zweier Ministerien, das handlungsorientierte Lehr- und Lernkonzept einer Förderschule und der langjährige Einsatz einer Lehrerin. Die Preisträgerinnen und Preisträger stehen damit beispielhaft für Ansätze, die auf unterschiedlichen Ebenen ansetzen und nachhaltige Wirkung entfalten.

Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen und Hessisches Ministerium der Finanzen: Wirtschafts- und Finanzbildung ressortübergreifend stärken

Das Hessische Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen und das Hessische Ministerium der Finanzen erhielten den Deutschen Wirtschaftsbildungspreis gemeinsam. Ausgezeichnet wurde ihre ressortübergreifende Zusammenarbeit, mit der sie Wirtschafts- und Finanzbildung sowohl schulisch als auch außerschulisch strukturell und mit konkreten Angeboten stärken. Hessen hat das Thema im Schulgesetz verankert und versteht es zugleich als lebenslange Bildungsaufgabe. Angebote für Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Auszubildende und weitere Zielgruppen verbinden schulische Grundlagenbildung mit alltagsnahen finanziellen Fragestellungen.

Zu den Maßnahmen zählen unter anderem Zukunftstage für Auszubildende, das Format „60 Minuten für Deine Finanzen“, die Social Media Kampagne „80 Jahre. Finanzkompetenz. Made in Hessen“, der Tag der Finanz- und Verbraucherbildung an hessischen Schulen, digitale Angebote wie Seasn@Schule sowie das neue Pflichtfach „KI und Digitale Welt“, in dem auch die Finanz- und Verbraucherbildung verankert ist. Entscheidend ist das Zusammenspiel beider Ressorts: Wirtschafts- und Finanzbildung wird nicht als isoliertes Einzelthema, sondern als gemeinsame bildungs- und gesellschaftspolitische Aufgabe behandelt.

Kultusminister Armin Schwarz und Finanzminister Alexander Lorz aus Hessen nehmen die Urkunde des Deutschen Wirtschaftsbildungspreises entgegen
Vertreterinnen und Vertreter des hessischen Ministeriums für Kultus, Bildung und Chancen, des hessischen Ministeriums der Finanzen sowie der Flossbach von Storch Stiftung

„Wir freuen uns sehr über den Deutschen Wirtschaftsbildungspreis. Für uns ist klar: Wirtschafts- und Finanzbildung gehört zu einer guten schulischen Allgemeinbildung. Schülerinnen und Schüler sollen lernen, wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen, Informationen kritisch einzuordnen und fundierte Entscheidungen zu treffen. Dafür wollen wir ihnen früh die richtigen Grundlagen mitgeben.“

Armin Schwarz, Hessischer Staatsminister für Kultus, Bildung und Chancen

„Der Deutsche Wirtschaftsbildungspreis ist für uns Anerkennung und Ansporn zugleich. Wirtschafts- und Finanzbildung ist eine Aufgabe des lebenslangen Lernens, denn finanzielle Entscheidungen begleiten uns in jeder Lebensphase. Deshalb wollen wir Menschen unabhängig von Alter und Lebenssituation mit passenden, verständlichen und alltagsnahen Angeboten erreichen.“

Prof. Dr. R. Alexander Lorz, Hessischer Staatsminister der Finanzen

Schule am Habbrügger Weg – Förderzentrum Ganderkesee: Lernen durch unternehmerisches Handeln

Die Schule am Habbrügger Weg – Förderzentrum Ganderkesee, Niedersachsen, wurde für einen handlungsorientierten Lehr- und Lernansatz ausgezeichnet, der Wirtschaftsbildung und Berufsorientierung eng miteinander verbindet. Im Zentrum steht die Schülerfirma Pupils GMBH. In unterschiedlichen Abteilungen lernen die Schülerinnen und Schüler betriebliche Abläufe kennen, arbeiten an Produkten und Projekten, übernehmen Aufgaben und Verantwortung und setzen sich mit Fragen von Organisation, Buchführung und nachhaltigem Wirtschaften auseinander.

Das schulische Konzept schafft einen geschützten Rahmen, in dem wirtschaftliche Zusammenhänge nicht abstrakt bleiben, sondern unmittelbar erfahrbar werden. Zugleich ist die Berufsorientierung fest im Schulalltag verankert. In der Abschlussklasse verbringen die Jugendlichen zwei Tage pro Woche in einem Betrieb, erproben eigene Stärken und entwickeln berufliche Perspektiven. Die Auszeichnung unterstreicht damit auch: Ökonomische Bildung richtet sich an alle Schülerinnen und Schüler – unabhängig von Schulform und individuellen Lernvoraussetzungen.

„Wir unterrichten nicht Fächer, wir unterrichten Menschen. Deshalb schaffen wir Lerngelegenheiten, in denen unsere Schülerinnen und Schüler wirtschaftliche Zusammenhänge unmittelbar erfahren, eigene Stärken entdecken und Verantwortung übernehmen können. Die Arbeit in der Schülerfirma und die enge Verbindung zur Berufsorientierung geben ihnen konkrete Perspektiven für ein möglichst selbstbestimmtes Leben.“

Matthias Henze, stellvertretender Schulleiter der Schule am Habbrügger Weg – Förderzentrum Ganderkesee

Janine Oechsner vom Goethegymnasium Weimar: Begeisterung für Wirtschaft im Unterricht und in der Lehrkräftebildung

Janine Oechsner vom Goethegymnasium Weimar, Thüringen, erhielt den Deutschen Wirtschaftsbildungspreis für ihr langjähriges und beharrliches Engagement in der schulischen Wirtschaftsbildung. Sie vermittelt wirtschaftliche Zusammenhänge anschaulich, verbindet Fachwissen mit digitalen, personalen und sozialen Kompetenzen und motiviert Schülerinnen und Schüler, sich eigenständig und kritisch mit wirtschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Mit ihren Lerngruppen nimmt sie regelmäßig und erfolgreich am econo=me Wettbewerb Wirtschaft und Finanzen teil.

Ihr Engagement reicht über den eigenen Unterricht hinaus. Janine Oechsner setzt sich auch in der Lehrkräftebildung dafür ein, ökonomische Themen fachlich fundiert und praxisnah zu vermitteln. Welche Wirkung eine engagierte Lehrkraft entfalten kann, zeigte sich auch bei der Preisverleihung: Da Oechsner selbst verhindert war, wurde sie von Schülerinnen und Schülern vertreten. Sie berichteten, wie ihr Unterricht ihr Interesse an wirtschaftlichen Fragen geweckt und ihr Verständnis für komplexe Zusammenhänge vertieft hat.

„Wirtschaftsbildung bedeutet für mich, junge Menschen fit für Entscheidungen zu machen, die ihr eigenes Leben und unsere Gesellschaft betreffen. Wirtschaftsunterricht sollte deshalb dort ansetzen, wo Schülerinnen und Schüler selbst Entscheidungen treffen – beim ersten eigenen Einkommen, beim Konsum, beim Sparen oder bei der Frage, wie sie später leben und arbeiten möchten. Sie sollen nicht nur verstehen, wie Wirtschaft funktioniert, sondern erkennen, warum wirtschaftliche Zusammenhänge unmittelbar mit ihrem Leben verbunden sind.“

Janine Oechsner, Goethegymnasium Weimar

„Im Unterricht bei Frau Oechsner merke ich am meisten, wie Wirtschaft und Recht mit dem echten Leben zusammenhängen. Wenn in den Nachrichten über Preise, Schulden oder Verträge gesprochen wird, versteht man auf einmal, worum es geht. Wir lernen die Themen nicht nur theoretisch, sondern wenden sie in Projekten an, im Team und mit Wettbewerbscharakter. Das kenne ich vom Sport: Man gibt Vollgas, und am Ende gibt es auch noch ein Ergebnis, auf das man stolz sein kann."

Arne Lepper, ehemaliger Schüler bei Janine Oechsner am Goethegymnasium Weimar


Die Jury des Deutschen Wirtschaftsbildungspreises 2026

Die Jury des Deutschen Wirtschaftsbildungspreises 2026 führte unterschiedliche Perspektiven auf Wirtschafts- und Finanzbildung zusammen. Die Bundesschüler:innenkonferenz brachte, vertreten durch ihre Generalsekretärin Amy Kirchhoff, die Sicht junger Menschen ein und erhielt einen ständigen Sitz. Der Verband Ökonomische Bildung an allgemeinbildenden Schulen e. V. (VÖBAS), vertreten durch Janosch Schierke, ergänzte die schulpraktische und fachdidaktische Perspektive. Prof. Dr. Johanna Hey, Direktorin des Instituts für Steuerrecht der Universität zu Köln und Mitglied des Kuratoriums der Flossbach von Storch Stiftung, brachte ihre wissenschaftliche Expertise ein.

Die Zusammensetzung der Jury soll eine kriteriengeleitete Auswahl unterstützen und gewährleisten, dass die ausgezeichneten Ansätze aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden. Perspektivisch wird das Gremium weiterentwickelt: Bei der jeweils folgenden Preisvergabe sollen auch die zuvor ausgezeichneten Preisträgerinnen und Preisträger mitwirken. So fließen praktische Erfahrungen aus unterschiedlichen Handlungsfeldern unmittelbar in die künftigen Entscheidungen ein.


Eine Auszeichnung mit langfristigem Anspruch

Mit seiner ersten Vergabe hat der Deutsche Wirtschaftsbildungspreis sichtbar gemacht, wie vielfältig wirksame Wirtschafts- und Finanzbildung sein kann: Sie entsteht im Unterricht und in der Lehrkräftebildung, wird durch eine ganze Schulgemeinschaft gelebt und kann durch politischen Willen sowie ressortübergreifendes politisches Handeln strukturell gestärkt werden. Gemeinsam ist den ausgezeichneten Ansätzen, dass sie Wissen in konkretes Handeln übersetzen und Menschen dazu befähigen, wirtschaftliche Entscheidungen informiert und eigenverantwortlich zu treffen.

Die Premiere anlässlich des 20. Jubiläums der Flossbach von Storch Stiftung markiert deshalb nicht nur einen Rückblick auf langjähriges Engagement, sondern auch einen Auftrag für die Zukunft. Der Preis soll alle zwei Jahre Menschen und Institutionen würdigen, die ökonomische Bildung weiterdenken, Zugänge eröffnen und Strukturen verbessern. Damit erhalten beispielgebende Ideen die Aufmerksamkeit und Unterstützung, die sie benötigen, um über ihren unmittelbaren Wirkungskreis hinaus auszustrahlen.