12.02.2021 - Interview

„Ökonomische Bildung braucht starke Netzwerke“


Ökonomische Bildung ist Teil der Allgemeinbildung. Dennoch findet Wirtschaft in der Schule wenig statt. Das soll sich ändern. Verena von Hugo erläutert, warum dabei der Netzwerkgedanke so wichtig ist.

Frau von Hugo, ökonomische Bildung führt an deutschen Schulen ein Schattendasein, das soll sich ändern. Warum ist das so wichtig

Verena von Hugo:„Nach dem Elternhaus ist die Schule der Ort, der die Menschen am stärksten prägt. Seit jeher sprechen die Deutschen privat nicht viel über Geld, Wirtschaft und Finanzen. Umso wichtiger ist deshalb ökonomische Bildung – gerade in einer komplexen Wirtschafts- und Finanzwelt. Solides, in der Schule vermitteltes wirtschaftliches Wissen hilft den Menschen, Zusammenhänge zu erkennen, sich ihrer Präferenzen und der Alternativen bewusst zu werden und mündige Entscheidungen zu treffen.“

Um diesem Anliegen mehr Gewicht zu verleihen, entstand das Bündnis Ökonomische Bildung Deutschland (BÖB), dessen Co-Vorsitzende Sie sind. Wie arbeitet das Bündnis?

V. von Hugo: „Ökonomische Bildung liegt vielen am Herzen, das zeigt die große Vielfalt an Vereinen, Verbänden, Initiativen und Stiftungen, die sich leidenschaftlich für dieses Thema einsetzen – mit vielfältigen Facetten. Wir haben auch gesehen, dass die vielen Stakeholder über eigene Netzwerke verfügen, aber keine weitreichenden Verbindungen untereinander haben. Das möchten wir mit dem BÖB ändern, ein Netzwerk der Netzwerke schaffen. Denn das fehlte bislang: Als Bündnis von mehr als 50 Mitgliedsorganisation geben wir der ökonomischen Bildung eine Stimme.“

Das BÖB wurde von im vergangenen September gegründet – wie muss man sich die Arbeit als Netzwerk der Netzwerke vorstellen?

V. von Hugo: „Erst einmal wollen wir Gelegenheiten schaffen, dass die einzelnen Mitglieder sich untereinander noch besser austauschen als bisher. Dank der Möglichkeit und der gewachsenen Akzeptanz digitaler Treffen kann das regelmäßig stattfinden. Die Vernetzung nach innen, zwischen den BÖB-Mitgliedsorganisationen ist wichtig für die wirkungs- und vertrauensvolle Zusammenarbeit in der Zukunft. Parallel treiben wir die Vernetzung nach außen, mit Persönlichkeiten aus Politik und Medien sowie mit Multiplikatoren voran.“

Wie wollen Sie die Ziele des Bündnisses erreichen?

V. von Hugo: „Die Bündnismitglieder möchten das politische Bewusstsein dafür schärfen, dass ökonomische Bildung ein ganz wichtiger Lösungsfaktor ist für die gesellschaftlichen Herausforderungen und Weichenstellungen unserer aller Zukunft. Und sie möchten den politischen Willen fördern, dass ökonomische Bildung für alle Schülerinnen und Schüler verpflichtend und in hinreichendem Umfang vermittelt werden muss – nicht nur an spezialisierten Schulen, sondern im allgemeinbildenden Schulwesen. Dafür bauen wir zu allen relevanten Akteuren Kontakt auf – also zu Kultus- und Schulministerien, der Kultusministerkonferenz (KMK) und anderen Fachministerien wie beispielsweise für Wirtschaft und Finanzen. Dabei spielt der Netzwerkgedanke eine entscheidende Rolle: denn wir wollen bewusst bei diesen Kontakten die BÖB-Mitglieder einbinden – sie sind es, die mit ihrer Fachkompetenz, Expertise und der Kenntnis landes- und schulformspezifischer Gegebenheiten den Dialog am besten begleiten können. Und so das Bündnis zu einem geschätzten Gesprächspartner machen.“

Welche nächsten Schritte sind konkret geplant?

V. von Hugo: „Auf Bündnisebene geht es erst einmal um die Vernetzung nach innen, den Austausch und das Zusammenbringen der vielfältigen Kompetenzen, die sich für ökonomische Bildung stark machen. Nach außen hin steht – konkret in NRW – die Förderung der Lehreraus-, -fort- und -weiterbildung für das Schulfach Wirtschaft-Politik im Fokus. Denn gute ökonomische Bildung kann nur gelingen, wenn die Lehrerinnen und Lehrer auch über eine entsprechende Qualifikation verfügen. Wie das gelingen kann, darüber wollen wir mit den Verantwortlichen in der Politik, in Ministerien, an den Universitäten sowie den Zentren für Lehrerbildung sprechen. Dazu befinden wir uns ja im Superwahljahr. Ökonomische Bildung muss da Thema sein – zugunsten jedes Einzelnen und der ganzen Gesellschaft.“

Frau von Hugo, vielen Dank für das Gespräch!

 

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