Preisverleihung

20 Jahre Flossbach von Storch Stiftung: Erstmals Deutscher Wirtschaftsbildungspreis verliehen

Alle Preisträger des Deutschen Wirtschaftsbildungspreises 2026

Köln, 16. Oktober 2026 – Anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens hat die Flossbach von Storch Stiftung erstmals den Deutschen Wirtschaftsbildungspreis verliehen. Rund 100 Gäste aus Bildung, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft kamen in Köln zusammen, um über die Bedeutung von Wirtschafts- und Finanzbildung für Deutschland zu diskutieren und besonderes Engagement in diesem Bereich zu würdigen.

Mit dem Deutschen Wirtschaftsbildungspreis zeichnet die Stiftung künftig alle zwei Jahre Persönlichkeiten und Institutionen aus, die Wirtschafts- und Finanzbildung in Deutschland nachhaltig stärken. Gewürdigt werden innovative, wirksame und zielgruppengerechte Ansätze sowie Beiträge zur Weiterentwicklung von Bildungsangeboten und -strukturen. Jede Auszeichnung ist mit 20.000 Euro dotiert. Das Preisgeld fließt in Projekte der Wirtschafts- und Finanzbildung und ermöglicht so weiteres Engagement.

„Vor 20 Jahren haben wir die Stiftung gegründet, weil wir überzeugt waren, dass Wirtschafts- und Finanzbildung Menschen befähigt, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten. Mit dem Deutschen Wirtschaftsbildungspreis möchten wir diejenigen sichtbar machen, die dieses Ziel mit besonderem Engagement voranbringen“, sagte Kurt von Storch, Stifter und Vorsitzender des Kuratoriums.

Auszeichnung für besonderes Engagement

Zu den ersten Preisträgern zählen das Hessische Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen und das Hessische Ministerium der Finanzen. Gemeinsam wurden sie für ihre ressortübergreifende Zusammenarbeit zur Stärkung der Wirtschafts- und Finanzbildung ausgezeichnet. Hessen versteht Wirtschafts- und Finanzbildung dabei als Bildung fürs Leben: Das Thema wurde im Schulgesetz gestärkt und zugleich als lebenslange Aufgabe weitergedacht. Fortbildungen für Lehrkräfte, Angebote für Auszubildende und digitale Formate richten sich an unterschiedliche Alters- und Zielgruppen.

Der Hessische Staatsminister für Kultus, Bildung und Chancen, Armin Schwarz, nahm den Preis in Köln entgegen. „Wirtschafts- und Finanzbildung gehört zu einer guten schulischen Allgemeinbildung“, betonte er. Prof. Dr. R. Alexander Lorz, Hessischer Staatsminister der Finanzen, bezeichnete die Auszeichnung als „Anerkennung und Ansporn zugleich“ und hob hervor, dass finanzielle Entscheidungen Menschen in allen Lebensphasen begleiten.

Ausgezeichnet wurde auch die Schule am Habbrügger Weg – Förderzentrum Ganderkesee, Niedersachsen. Die Schule verankert Wirtschaftsbildung handlungsorientiert im Schulalltag: In ihrer Schülerfirma Pupils GMBH lernen die Schülerinnen und Schüler betriebliche Abläufe von der Arbeit in verschiedenen Abteilungen bis zur Buchführung kennen, übernehmen Verantwortung und entwickeln gemeinsam nachhaltige Projekte. Zugleich ist die Berufsorientierung eng mit dem pädagogischen Konzept verbunden. In der Abschlussklasse verbringen die Jugendlichen zwei Tage pro Woche in einem Betrieb, um eigene Stärken zu entdecken und berufliche Perspektiven zu entwickeln. Die Auszeichnung unterstreicht damit auch: Ökonomische Bildung richtet sich an alle Schülerinnen und Schüler – unabhängig von Schulform und individuellen Lernvoraussetzungen.

Als dritte Preisträgerin würdigte die Stiftung Janine Oechsner vom Goethegymnasium Weimar, Thüringen. Seit vielen Jahren setzt sie sich beharrlich für die schulische Wirtschaftsbildung und die Lehrkräftebildung ein. Mit ihren Schülerinnen und Schülern nimmt sie regelmäßig und mit großem Erfolg am econo=me Wettbewerb Wirtschaft und Finanzen teil. Drei von ihnen vertraten Oechsner bei der Preisverleihung und berichteten, wie ihr anschaulicher Unterricht ihr Interesse an wirtschaftlichen Themen geweckt und ihr Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge vertieft habe.

Wirtschaftsbildung als gesellschaftliche Aufgabe

Neben der Würdigung der Preisträger stand die gesellschaftliche Bedeutung von Wirtschafts- und Finanzbildung im Mittelpunkt der Veranstaltung. Nach einem Impuls von Prof. Rocholl, Präsident der European School of Management and Technology (ESMT) Berlin, diskutierte er gemeinsam mit Dr. Bert Flossbach, Stifter sowie Gründer und geschäftsführender Direktor der Flossbach von Storch SE, und Amy Kirchhoff von der Bundesschüler:innenkonferenz über die Perspektiven der jungen Generation und die Bedeutung ökonomischer Bildung für Deutschland.

In seiner Festrede richtete Dr. Thomas de Maizière, ehemaliger Bundesminister und Chef des Bundeskanzleramtes, den Blick auf das Bildungssystem insgesamt. Er plädierte für mutige Reformen und klare Verantwortlichkeiten sowie mehr Freiräume für Schulen. Gute Bildung brauche den Mut, Verantwortung zu übernehmen und unterschiedliche Wege zuzulassen.

20 Jahre Engagement für Wirtschafts- und Finanzbildung

Die Flossbach von Storch Stiftung wurde 2006 von Dr. Bert Flossbach und Kurt von Storch gegründet. Seitdem setzt sie sich dafür ein, Wirtschafts- und Finanzbildung in Deutschland zu stärken. Zu ihren Initiativen gehören unter anderem der econo=me Wettbewerb Wirtschaft und Finanzen, die OeBiX-Studien zur Verankerung ökonomischer Bildung im deutschen Bildungssystem, Unterrichtsmaterialien, Aus-, Fortbildungs- und Vernetzungsangebote für Lehrkräfte sowie das bildungspolitische Engagement im Bündnis Ökonomische Bildung Deutschland e. V. (BÖB).

Zum 20-jährigen Bestehen hat die Stiftung ihr Angebot um eine Posterserie zu acht prägenden ökonomischen Denkern von Adam Smith über Karl Marx bis John Maynard Keynes erweitert. Die Poster greifen zentrale wirtschaftliche Ideen und Denkschulen auf und können von Lehrkräften kostenfrei bestellt werden. Auch künftig will die Stiftung dazu beitragen, Wirtschafts- und Finanzbildung weiterzuentwickeln und Menschen zu selbstbestimmten Entscheidungen zu befähigen – im Sinne guter Allgemeinbildung und für Chancengerechtigkeit, Teilhabe und eine starke Gesellschaft.