Friedrich August von Hayek war ein österreichischer Ökonom und Sozialphilosoph des 20. Jahrhunderts. Er zählt zu den wichtigsten Vertretern des Liberalismus. Im Zentrum seines Denkens standen die Funktionsweise von Märkten und die Grenzen staatlicher Wirtschaftssteuerung. Wie kann Wissen, das auf viele Menschen verteilt ist, koordiniert werden? Warum sind Preise wichtige Informationsträger? Und weshalb führen freie Märkte zu mehr Wohlstand als zentral gesteuerte Wirtschaftssysteme? Hayek erhielt 1974 den Wirtschaftsnobelpreis.

 

Hauptwerke

Prices and Production (1931)

The Road to Serfdom (1944)

The Use of Knowledge in Society (1945)

The Constitution of Liberty (1960)

Geschichtlicher Kontext

Wirtschaft: In den 1920er-Jahren erlebten die USA einen Boom (Roaring Twenties), der mit dem New Yorker Börsencrash im Oktober 1929 in die Weltwirtschaftskrise mündete. Die Weltwirtschaftskrise ließ die Arbeitslosigkeit stark steigen und begünstigte die politische Polarisierung. Viele Regierungen versuchten durch staatliche Eingriffe in die Wirtschaft die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Ausgehend von Russland sahen viele Länder die zentrale planwirtschaftliche Steuerung als Weg zur Lösung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Probleme.

 

Gesellschaft: Wien war in der Jugend von Hayek eines der intellektuellen Zentren Europas. Nach dem Ersten Weltkrieg hatten die Verliererstaaten mit großen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Die Hyperinflation vernichtete große Teile der Geldvermögen und traf insbesondere Sparer und große Teile der Mittelschicht. Neue politische Bewegungen wie Kommunismus, Faschismus und Nationalsozialismus gewannen an Zulauf.

 

Politik: Nach 1918 verliefen plötzlich Staatsgrenzen zwischen ehemaligen Produktionszentren, Rohstoffquellen und Absatzmärkten des ehemaligen Österreich-Ungarn, so dass Österreich um das wirtschaftliche Überleben kämpfte. Der Versailler Vertrag verhinderte, dass sich Deutschland nach dem auszehrenden Krieg wirtschaftlich erholen konnte. In Italien übernahm 1922 Benito Mussolini die Macht, in Deutschland stieg Adolf Hitler auf. In der Sowjetunion stieg in den 1920er-Jahren Joseph Stalin auf.

Kerngedanken

Die Überinvestitionstheorie: Künstlich niedrige Zinsen verleiten Unternehmen zu Investitionen, die nicht durch ausreichende Ersparnisse gedeckt sind. Es entsteht ein kreditgetriebener Boom mit Fehlinvestitionen, der von Spekulation auf dem Aktienmarkt begleitet wird. Wenn die Inflation steigt, muss die Zentralbank die Zinsen anheben, so dass sich viele Investitionsprojekte als unrentabel erweisen. Da diese abgebrochen werden müssen, folgt ein Abschwung, in dem Löhne und Preise fallen.

 

Das Wissensproblem: Hayek wandte sich gegen die Idee, dass der Staat die wirtschaftliche Entwicklung erfolgreich planen kann. Er argumentierte, dass das für wirtschaftliche Entscheidungen relevante Wissen dezentral über Millionen Menschen verteilt ist. Marktpreise dienen als Informationssignale und ermöglichen es den Marktteilnehmern, ihr Handeln aufeinander abzustimmen, ohne dass eine zentrale Stelle über das gesamte relevante Wissen verfügen muss.

Wettbewerb als Entdeckungsverfahren: Das für wirtschaftliche Entscheidungen relevante Wissen ist dezentral verteilt und teilweise noch gar nicht vorhanden. Erst im Wettbewerb zeigt sich, welche neuen Produkte, Preise, Technologien und Produktionsweisen sich bewähren. Marktpreise bündeln dabei verstreute Informationen und geben den Akteuren Anreize, ihr Verhalten anzupassen. Wettbewerb dient somit nicht nur der effizienten Verteilung bekannter Ressourcen, sondern vor allem der Entdeckung von Wissen und Lösungen, die sich nicht zentral im Voraus bestimmen lassen.

 

Bezug zu heute

Finanzmarktspekulation und Finanzkrisen: Auf Hayek’s Perspektive lässt sich argumentieren, dass die großen Zentralbanken seit den 1980er-Jahren mit Zinssenkungen Überinvestitionen und Spekulation auf den Finanzmärkten begünstigt haben. Diese Boomphasen sind oft in Finanzkrisen gemündet, wenn die Zentralbanken die Zinsen wieder angehoben haben. Mit weiteren Zinssenkungen als Antwort auf die Krisen haben die Zentralbanken neue Spekulationswellen ausgelöst.

 

Geringes Wachstum und gewachsene Ungleichheit: Die zunehmend expansiven Geldpolitiken der Zentralbanken haben die stetige Ausweitung der staatlichen Ausgabenverpflichtungen und der Regulierung begünstigt. Hayek warnte in ‚Der Weg zur Knechtschaft‘ davor, dass eine immer weitergehende Eingriffe des Staates in die Wirtschaft die individuelle Entscheidungsfreiheit einschränkt und langfristig auch Rechtsstaatlichkeit und politische Freiheit gefährden kann.


 

 

 

Ökonomische Bildung

Anschlussfähigkeit von Adam Smith
zu anderen Denkern

  • Adam Smith

    Adam Smith (1723–1790) und Friedrich August von Hayek (1899–1992) lebten in verschiedenen Jahrhunderten, doch Smith war ein wichtiger Vordenker für Hayek. Hayeks Idee der spontanen Ordnung, nach der gesellschaftliche Ordnung aus dem Handeln vieler Einzelner entsteht und nicht zentral geplant werden kann, knüpft an Smiths Bild der „unsichtbaren Hand“ an.

    Mehr erfahren über Adam Smith
  • John Maynard Keynes

    John Maynard Keynes (Cambridge) und Friedrich August von Hayek (London School of Economics) waren in den 1930er-Jahren wirtschaftspolitische Gegenspieler. Keynes wollte die Arbeitslosigkeit der Weltwirtschaftskrise vor allem mit schuldenfinanzierten Staatsausgaben bekämpfen. Hayek hielt dagegen, billiges Geld habe in den 1920er-Jahren die Fehlentwicklungen erst ausgelöst, mit denselben Mitteln lasse sich die Krise nicht lösen. Bis in die 1970er-Jahre prägte Keynes die Wirtschaftspolitik deutlich stärker.

    Mehr erfahren über John Maynard Keynes
  • Walter Eucken

    Walter Eucken und Friedrich August von Hayek gehörten zur neoliberalen Erneuerungsbewegung und 1947 zu den Gründungsmitgliedern der Mont Pèlerin Society. Beide waren überzeugt, dass Freiheit einen klaren rechtlichen und institutionellen Rahmen braucht. Eucken traute dem Staat dabei mehr zu: Er sollte die Wettbewerbsordnung aktiv gestalten und etwa Monopole verhindern. Hayek setzte stärker auf Regeln, die sich über die Zeit herausbilden.

    Mehr erfahren über Walter Eucken