John Maynard Keynes war ein britischer Ökonom des 20. Jahrhunderts. Er gilt als Begründer der modernen Makroökonomie. Im Zentrum seines Denkens standen grundlegende Fragen zur Stabilisierung: Wie lassen sich gesamtwirtschaftliche Nachfrageschwächen überwinden? Welche Rolle spielt der Staat für Beschäftigung und Wachstum? Sind Staatschulden vorteilhaft?
Hauptwerk
The Economic Consequences of the Peace (1919)
The General Theory of Employment, Interest and Money (1936)
Geschichtlicher Kontext
Wirtschaft: Die Weltwirtschaftskrise hat das Denken von John Maynard Keynes stark geprägt. 1929 löste ein Börsencrash an der Wall Street die Weltwirtschaftskrise aus. In den USA brach die Wirtschaftsleistung stark ein und die Arbeitslosigkeit stieg drastisch. Die Investitionen der Unternehmen gingen zurück und der Welthandel schrumpfte. Die von vielen liberalen Ökonomen vorhergesagte wirtschaftliche Erholung ließ auf sich warten.
Politik: Nach dem Ersten Weltkrieg potenzierte der Versailler Vertrag die wirtschaftlichen Probleme Deutschlands. Großbritannien und Frankreich waren durch hohe Kriegsschulden gegenüber den USA belastet. Die politische und wirtschaftliche Instabilität der 1920er-Jahre blieb weitgehend ungelöst. Die Länder wendeten sich zunehmend ihren eigenen Interessen zu. Die USA verschärften mit dem Smoot-Hawley Tariff Act den Protektionismus. Das Gedankengut von Keynes findet sich beispielsweise im New Deal von Franklin D. Roosevelt wieder.
Gesellschaft: Die Weltwirtschaftskrise hatte tiefgreifende gesellschaftliche Folgen: Massenarbeitslosigkeit, Armut und der Verlust von Ersparnissen führten bei Millionen Menschen zu sozialem Abstieg und existenzieller Unsicherheit. Besonders in Deutschland erschütterte die Krise das Vertrauen in die bestehenden politischen Institutionen.
Kerngedanken
Entstehung von Wirtschaftskrisen durch zu geringe Nachfrage: Keynes entwickelte eine Theorie, in der eine zu geringe Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen zu Arbeitslosigkeit führt. Sinken Konsum und Investitionen, gehen Produktion, Einkommen und Beschäftigung zurück.
Der Staat stabilisiert die Nachfrage: Keynes vertrat deshalb die Auffassung, dass der Staat die Nachfrage stabilisieren sollte. In der Krise sollte der Staat seine Ausgaben erhöhen und dafür Schulden aufnehmen, am besten für den Bau von Straßen, Brücken oder öffentlichen Gebäuden. Die Zentralbank sollte durch niedrige Zinsen Investitionen begünstigen. Diese Sichtweise traf bei Politikern auf der ganzen Welt bis heute auf eine starke Resonanz.
Antizyklische Fiskalpolitik: Aus dem Gedankengut von Keynes entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg die antizyklische Fiskalpolitik. In einer Rezession soll der Staat seine Ausgaben erhöhen, um schuldenfinanziert die gesamtwirtschaftliche Nachfrage zu stärken. Im wirtschaftlichen Aufschwung soll der Staat dagegen die Ausgaben zurückführen und mit Haushaltsüberschüssen die Schulden wieder abbauen.
Bezug zu heute
Staatliche Konjunkturprogramme: Während der Finanzkrise 2008/09 und während der Coronakrise setzten viele Staaten auf Konjunkturprogramme, um die Nachfrage zu stärken und Arbeitsplätze zu sichern. Die Zentralbanken senkten die Zinsen, um die Konjunktur zu stabilisieren.
Staatliche Investitionen heute: Aktuelle Debatten über Investitionen in Infrastruktur, Digitalisierung, Bildung oder Klimaschutz greifen auf keynesianisches Gedankengut zurück. Politiker argumentieren, dass sie mit Hilfe von mehr Staatsschulden Wachstum erzeugen und so die Sozialsysteme stabilisieren können.
Die Grenzen keynesianischer Steuerung: Während die Politik gerne in Krisen Schulden aufnimmt, um die Staatsausgaben zu erhöhen, ist Sparen in guten Zeiten selten. Deshalb sind in den meisten Ländern die Staatsschulden immer weiter angestiegen. Der Versuch, durch Schuldenregeln die Staatsverschuldung zu begrenzen ist in vielen Ländern gescheitert. Die Zentralbanken sind unter Druck gekommen, durch den Ankauf von Staatsanleihen die Zinslasten der Regierungen zu drücken. Geringes Wachstum und eine wachsende Ungleichheit verdeutlichte die Grenzen der keynesianischen Ausgabenpolitik.