Berlin


Berlin kommt in der OeBiX-Studie nur auf den viertletzten Platz

Optimierungspotenziale an den Schulen, Defizite in der Wirtschaftslehrkräftebildung.

 

 

Bei der Ökonomischen Bildung in Berlin sieht es nicht gut aus: An keiner weiterführenden allgemeinbildenden Schulform gibt es ein eigenständiges Pflichtfach Wirtschaft. Auch die Wirtschaftslehrkräftebildung ist zum Teil defizitär, vor allem bei den wirtschaftswissenschaftlichen und wirtschaftsdidaktischen Inhalten in den Studiengängen für Wirtschaftslehrkräfte. Hier bestehen vor allem Optimierungspotenziale. Zumindest in der Qualifikationsphase in der gymnasialen Oberstufe in Berlin sind wirtschaftliche Inhalte gut verankert, hier können die Schülerinnen und Schüler ein eigenständiges Fach Wirtschaft wählen.

Im Gesamtindex schneidet Berlin unterdurchschnittlich ab und belegt den 13. Platz.

 

Bundeshauptstadt erreicht im OeBiX nur 35,06 Prozent

Berlin liegt in der OeBiX-Studie knapp 10 Prozentpunkte unter dem Bundesdurchschnitt.

Berlin schneidet insbesondere im Teilindex Lehrkräftebildung nicht gut ab

Auch in den beiden OeBiX-Teilindizes Schule und Lehrkräftebildung schneidet Berlin schlecht ab. Besonders verbesserungswürdig ist die Lage in der Lehrkräftebildung. Hier erhält das Bundesland nur 20 Prozent und erreicht damit gerade einmal die Hälfte des Bundesdurchschnitts. Im Teilindex Schule bleibt Berlin mit 42,56 Prozent ca. sechs Prozentpunkte hinter dem Bundesdurchschnitt zurück.

Es fehlen sowohl ökonomische Inhalte als auch Professuren in der gymnasialen Lehrkräftebildung

In allen Erhebungskategorien der OeBiX-Studie schneidet Berlin unterdurchschnittlich ab - einzige Ausnahme: die Qualifikationsphase der Sekundarstufe II. Besonders große Defizite deckte die OeBiX-Studie in der gymnasialen Lehrkräftebildung auf. Hier fehlen ökonomische Inhalte im Studium für das wirtschaftsaffine Ankerfach am Gymnasium sowie wirtschaftsdidaktische Professuren mit Zuständigkeit für diese Studiengänge völlig.

Teilindex Schule

Schulfächer für die Ökonomische Bildung

Für die OeBiX-Studie wurde pro Bundesland und Schulform sowie Schulstufe jeweils ein Ankerfach für die Ökonomische Bildung im Pflichtbereich identifiziert. Da im Wahlpflichtbereich in einigen Fällen pro Schulform mehrere klar auf Wirtschaft fokussierte Wahlpflichtfächer angeboten werden können, wurden, anders als bei den Pflichtfächern, zum Teil auch mehrere Wahlpflichtfächer pro Schulform und -stufe in einem Bundesland bei den Berechnungen berücksichtigt. Diese Pflicht- und Wahlpflichtfächer stellen eine Berechnungsgrundlage für den OeBiX dar. Auf der Basis der jeweiligen behördlichen Dokumente (Lehrpläne, Verordnungen, Stundentafeln etc.) für die Sekundarstufen I und II wurden die für die jeweiligen Ankerfächer veranschlagten Kontingentstunden ermittelt. In einigen Stundentafeln sind die Kontingentstunden für mehrere Fächer in Summe angegeben, ohne dass der Anteil der einzelnen Fächer benannt ist. In diesen Fällen wurden die Kontingentstunden über den Durchschnitt ermittelt. Dabei wurde auch berücksichtigt, dass die Fächer ggf. in unterschiedlich vielen Jahrgängen unterrichtet werden. Sind Mindeststunden für ein Fach angegeben, wurden diese zugrunde gelegt.  Ökonomische Bildung ist in der Regel in einem Integrationsfach verankert. In diesen Fällen wurden die entsprechenden Curricula gesichtet, um den Anteil der ökonomischen Inhalte in dem Fach zu bestimmen. Entsprechend  dieses Anteils wurde die Anzahl der Kontingentstunden für die Ökonomische Bildung bestimmt.

Kontingentstunden Ökonomische Bildung in wirtschaftsaffinen Ankerfächern der Sekundarstufe I (nur Pflicht)

In allen Schulformen ist Berlin weit von der Unterrichtszeit von sechs Kontingentstunden eines normalen Nebenfachs im Pflichtbereich der Sekundarstufe I entfernt. Im Gymnasium stehen gerade einmal 0,80 Kontingentstunden für die Ökonomische Bildung im Pflichtbereich der Sekundarstufe I zur Verfügung. In den nicht-gymnasialen Schulformen der Sekundarstufe I sieht es nicht viel besser aus: Dort erhalten die Schülerinnen und Schüler im Pflichtbereich 2,5 Kontingentstunden Ökonomische Bildung.

Fächervergleich anhand von Kontingentstunden Sekundarstufe I (nur Pflicht)

In der gymnasialen Mittelstufe in Berlin schneidet die Ökonomische Bildung im Vergleich zu etablierten Nebenfächern nicht gut ab. Hier gibt es im Pflichtbereich für die Ökonomische Bildung nur 0,8 Kontingentstunden. Andere gesellschaftswissenschaftliche Fächer sowie die naturwissenschaftlichen Fächer sind deutlich besser verankert. Die naturwissenschaftlichen Fächer verfügen über jeweils mehr als achtmal so viele Kontingentstunden wie die Ökonomische Bildung. Ein besseres Bild zeigt sich beim Fächervergleich in der Sekundarstufe I an nicht-gymnasialen Schulformen. Hier stehen für die Ökonomische Bildung im Pflichtbereich 2,5 Kontingentstunden zur Verfügung, sogar 0,5 Kontingentstunden mehr als für Erdkunde und Geschichte.

Teilindex Lehrkräftebildung

Keine wirtschaftsdidaktische Professur in der Lehrkräftebildung für weiterführende allgemeinbildende Schulformen in Berlin

In der gymnasialen Lehrkräftebildung gibt es in Berlin keine wirtschaftsdidaktische Professur. Für die weiterführenden allgemeinbildenden nicht-gymnasialen Schulform ist eine integrative Professur an der TU Berlin vorhanden.

„Das Fach WAT wird häufig
fachfremd unterrichtet. Ein Grund ist der Lehrermangel in Berlin.“

Christin Richter
Lehrerin in Berlin für das Fach Wirtschaft, Arbeit, Technik (WAT);
Mitglied im Bundesvorstand der Gesellschaft für Arbeit, Wirtschaft und Technik im Unterricht e.V.