Thüringen


Thüringen kommt in der OeBiX-Studie auf Rang elf

An den weiterführenden allgemeinbildenden Schulen gibt es weder im Pflicht- noch im Wahlpflichtbereich das Fach Wirtschaft. Optimierungspotenziale gibt es auch in der Lehrkräftebildung in diesem Bereich.

 

 

In Thüringen gibt es an keiner weiterführenden allgemeinbildenden Schulform ein eigenständiges Fach Wirtschaft – weder im Pflicht- noch im Wahlpflichtbereich. Das Pflichtfach Wirtschaft und Recht, das an Gemeinschaftsschulen und am Gymnasium unterrichtet wird, umfasst allerdings einen Anteil an ökonomischen Inhalten von zwei Drittel. Im wirtschaftsaffinen Pflichtfach Sozialkunde, das an der Regelschule sowie an der Integrierten Gesamtschule unterrichtet wird, spielen ökonomische Inhalte hingegen eine untergeordnete Rolle. Optimierungspotenziale gibt es auch in der Wirtschaftslehrkräftebildung. Vor allem in den Studiengängen für das Lehramt an Regelschulen spielen wirtschaftswissenschaftliche und wirtschaftsdidaktische Inhalte eine untergeordnete Rolle.

Im Gesamtindex liegt Thüringen im unteren Mittelfeld (Platz elf).

 

Thüringen erreicht in der OeBiX-Studie einen Wert von 35,56 Prozent

Thüringen erreicht in der OeBiX-Studie im Vergleich der Bundesländer eine Platzierung knapp vor Hamburg im unteren Mittelfeld auf Platz elf.

Thüringen bleibt auch in den Teilindizes hinter dem Bundesdurchschnitt zurück

Thüringen schneidet nicht nur im Gesamtindex mit 35,56 Prozent knapp zehn Prozentpunkte unter dem Bundesdurchschnitt (45,40 Prozent) ab, sondern auch im Teilindex Schule. Hier liegt Thüringen mit 35,76 Prozent ca. 13 Prozentpunkte unter dem Bundesdurchschnitt (48,50 Prozent). Mit einem Wert von 35,17 Prozent im Teilindex Lehrkräftebildung bleibt Thüringen auch hier hinter dem Bundesdurchschnitt (39,20 Prozent) zurück.

Thüringen erreicht 100 Prozent bei Professuren für Wirtschaftslehrkräftebildung an Gymnasien

In den Erhebungskategorien für die Sekundarstufe I erreicht Thüringen sowohl für das Gymnasium als auch für die nicht-gymnasialen Schulformen einen unterdurchschnittlichen Wert. In der Sekundarstufe II hingegen liegen beide Erhebungskategorien ziemlich genau im Bundesdurchschnitt. In der Lehrkräftebildung zeigt sich ein ambivalentes Bild. In der Wirtschaftslehrkräftebildung fürs Gymnasium erzielt Thüringen in den Erhebungskategorien „Professuren“ (100 Prozent) und „Studiengänge“ (57,27 Prozent) deutlich überdurchschnittliche Ergebnisse. Anders hingegen bei der Wirtschaftslehrkräftebildung für weiterführende allgemeinbildende nicht-gymnasiale Schulformen. Hier sind die beiden Erhebungskategorien deutlich unterdurchschnittlich. Die Erhebungskategorie „Professuren nicht-gymnasial“ wurde sogar mit 0,00 Prozent bewertet.

Teilindex Schule

Schulfächer für die Ökonomische Bildung

Für die OeBiX-Studie wurde pro Bundesland und Schulform sowie Schulstufe jeweils ein Ankerfach für die Ökonomische Bildung im Pflichtbereich identifiziert. Da im Wahlpflichtbereich in einigen Fällen pro Schulform mehrere klar auf Wirtschaft fokussierte Wahlpflichtfächer angeboten werden können, wurden, anders als bei den Pflichtfächern, zum Teil auch mehrere Wahlpflichtfächer pro Schulform und -stufe in einem Bundesland bei den Berechnungen berücksichtigt. Diese Pflicht- und Wahlpflichtfächer stellen eine Berechnungsgrundlage für den OeBiX dar. Auf der Basis der jeweiligen behördlichen Dokumente (Lehrpläne, Verordnungen, Stundentafeln etc.) für die Sekundarstufen I und II wurden die für die jeweiligen Ankerfächer veranschlagten Kontingentstunden ermittelt. In einigen Stundentafeln sind die Kontingentstunden für mehrere Fächer in Summe angegeben, ohne dass der Anteil der einzelnen Fächer benannt ist. In diesen Fällen wurden die Kontingentstunden über den Durchschnitt ermittelt. Dabei wurde auch berücksichtigt, dass die Fächer ggf. in unterschiedlich vielen Jahrgängen unterrichtet werden. Sind Mindeststunden für ein Fach angegeben, wurden diese zugrunde gelegt.  Ökonomische Bildung ist in der Regel in einem Integrationsfach verankert. In diesen Fällen wurden die entsprechenden Curricula gesichtet, um den Anteil der ökonomischen Inhalte in dem Fach zu bestimmen. Entsprechend  dieses Anteils wurde die Anzahl der Kontingentstunden für die Ökonomische Bildung bestimmt.

Kontingentstunden Ökonomische Bildung in wirtschaftsaffinen Ankerfächern der Sekundarstufe I (nur Pflicht)

Sowohl am Gymnasium als auch an den nicht-gymnasialen Schulformen ist die Ökonomische Bildung mit zwei bzw. durchschnittlich 0,64 Kontingentstunden weit von der Unterrichtszeit mit sechs Kontingentstunden eines normalen Nebenfachs im Pflichtbereich der Sekundarstufe I entfernt. Am besten ausgestattet ist noch das Gymnasium mit zwei Kontingentstunden im Pflichtbereich der Sekundarstufe I. Es folgen die nicht-gymnasialen Schulformen Gemeinschaftsschule (1,33 KS) sowie die Regelschule und Integrierte Gesamtschule mit je 0,30 Kontingentstunden im Pflichtbereich der Sekundarstufe I.

Fächervergleich anhand von Kontingentstunden Sekundarstufe I (nur Pflicht)

In der gymnasialen Mittelstufe in Thüringen schneidet die Ökonomische Bildung im Vergleich zu etablierten Nebenfächern nicht gut ab. Hier stehen im Pflichtbereich für die Ökonomische Bildung lediglich zwei Kontingentstunden zur Verfügung. Sowohl andere gesellschaftswissenschaftliche als auch die naturwissenschaftlichen Fächer sind deutlich besser verankert. So sind das Fach Geschichte und die naturwissenschaftlichen Fächer im Pflichtbereich jeweils mit viermal so vielen Kontingentstunden ausgestattet wie die Ökonomische Bildung. Ein ähnliches Bild zeigt sich in den nicht-gymnasialen Schulformen. Mit durchschnittlich 0,64 Kontingentstunden schneidet die Ökonomische Bildung im Pflichtbereich nicht gut ab. Sowohl andere gesellschaftswissenschaftliche als auch die naturwissenschaftlichen Fächer sind deutlich besser verankert. So stehen für die Fächer Erdkunde und Geschichte fast zehnmal so viele Kontingentstunden zur Verfügung wie für die Ökonomische Bildung.

Teilindex Lehrkräftebildung

Wirtschaftslehrkräftebildung fürs Gymnasium deutlich besser mit Professuren ausgestattet

Für die gymnasiale Wirtschaftslehrkräftebildung ist an der Friedrich-Schiller-Universität Jena eine wirtschaftsdidaktische Professur zuständig. Für die Studiengänge für Wirtschaftslehrkräfte für weiterführende allgemeinbildende nicht-gymnasiale Schulformen, gibt es keine wirtschaftsdidaktischen Professuren.